Porträt von Michael Hanl-Landa.
Michael Hanl-Landa arbeitet bei der Lebenshilfe Salzburg mit dem Schwerpunkt Selbstvertretung und Mitbestimmung.
Bildquelle: obds

10.000 Unterschriften bereits Anfang Oktober

Am 8. Oktober meldete die Petitionsplattform das Erreichen von 10.000 Unterschriften. Das Bündnis umfasst unter anderem die Lebenshilfe Österreich, Caritas, Diakonie, den Verein Lichterkette sowie Organisationen von Menschen mit chronischen und seltenen Erkrankungen. Die Initiative richtet sich auch an Angehörige, deren Alltag durch die Einschätzung des Unterstützungsbedarfs mitbestimmt wird.

Fünf Forderungen für faire Verfahren

Die beteiligten Organisationen berichten von belastenden Erfahrungen Betroffener und ihrer Angehörigen. Sie kritisieren unter anderem, dass vorhandene Befunde und die tatsächliche Lebenssituation bei Begutachtungen zu wenig berücksichtigt würden. Ihre Forderungen betreffen fünf Bereiche:

  1. Respektvoller Umgang: Menschen sollen bei der Begutachtung ernst genommen werden.
  2. Passende Fachkenntnisse: Gutachterinnen und Gutachter sollen mit der jeweiligen Erkrankung vertraut sein und vorhandene Fachgutachten berücksichtigen.
  3. Keine unnötigen Wiederholungen: Bei unveränderten dauerhaften Behinderungen soll der Unterstützungsbedarf nicht immer wieder neu nachgewiesen werden müssen.
  4. Verständliche Entscheidungen: Ablehnungen sollen nachvollziehbar begründet und Gutachten zugänglich sein.
  5. Unabhängige Beurteilung: Die medizinische Begutachtung soll von den finanziellen Interessen der auszahlenden Stellen getrennt werden.

Michael Hanl-Landa: Selbstvertretung stärken

Michael Hanl-Landa arbeitet seit 2008 als Sozialarbeiter bei der Lebenshilfe Salzburg. Sein Schwerpunkt liegt auf Selbstvertretung und Mitbestimmung. Er begleitet die Selbstvertretungsbewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Hanl-Landa betont, dass Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter selbst über ihre Erfahrungen und Anliegen erzählen sollen. Er verweist auch auf die Mitbestimmung in Werkstätten: Sprecherinnen und Sprecher vertreten dort ihre Kolleginnen und Kollegen und tauschen sich regelmäßig aus.

Mitbestimmung beginnt im Alltag

Die Lebenshilfe Salzburg setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten ihren Alltag mitgestalten und ihre Interessen selbst vertreten. Brigitte Brandner und Marco Mayr unterstützen als gewählte Selbstvertreter diese Mitbestimmung in den Einrichtungen und bringen sich in politischen Arbeitsgruppen auf österreichischer Ebene ein.

In den Werkstätten sind Haussprecherinnen und Haussprecher Ansprechpersonen für ihre Kolleginnen und Kollegen. Sie helfen bei Problemen zwischen Beschäftigten und Unterstützenden. Die gewählten Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter begleiten sie bei diesen Aufgaben.

Die Lebenshilfe Salzburg will ihre Angebote gemeinsam mit den Menschen weiterentwickeln, die sie nutzen. Ihr Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben mit einer Unterstützung, die zur persönlichen Lebenssituation passt.

Die Erfahrungen der Betroffenen sichtbar machen

Die Lebenshilfe Österreich hat die Kampagne außerdem zum Thema ihres für den 19. Oktober angekündigten Inklusions-Talks gemacht. Als Gäste waren Brigitte Heller vom Verein Lichterkette und Verena Riegler vom Vorstand von EDS Austria genannt, als Moderator Philippe Narval. Im Mittelpunkt der Einladung standen Probleme bei Begutachtungen und mögliche Veränderungen.

Die Petition macht ihre Forderungen öffentlich zugänglich. Informationen zur Initiative und der Weg zur Unterschrift sind auf der Kampagnenseite zu finden.

Zur Petition „Meine Würde“ ↗

Quellen

  1. Lebenshilfe Österreich: Petition startet: 30 Organisationen fordern Reform ärztlicher Begutachtungen (2026-09-28)
  2. Lebenshilfe Salzburg: Interessenvertretung und Selbstvertretung
  3. Österreichischer Berufsverband der Sozialen Arbeit: Vorstand: Michael Hanl-Landa
  4. Lebenshilfe Österreich: Inklusions-Talk zur Kampagne Meine Würde
  5. Kampagne Meine Würde / mein #aufstehn: Petition und dokumentierte Unterschriften-Meilensteine

Teilen und Gefällt mir