Vom geäußerten Bedarf zur öffentlichen Einrichtung

Nach Darstellung der Stadt ging das Projekt auf eine Bedarfserhebung des Instituts für Höhere Studien, ein Online-Symposium und eine internationale Fachkonferenz der Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten, WASt, zurück. 2022 wurden Organisationen der Jugendarbeit zur Einreichung von Konzepten eingeladen. In der späteren Gemeinderatsdebatte wurde ein Ort offener Jugendarbeit, sozialer Begegnung und Freizeitgestaltung beschrieben. Niederschwelliger Zugang und das Zusammenwirken unterschiedlicher Benachteiligungen sollten berücksichtigt werden. Diese Schritte zeigen, wie aus einem Anliegen junger Menschen ein Auftrag für eine örtliche Einrichtung wurde. [1][2]

Künftige Besucherinnen und Besucher gestalteten mit

Bei der Eröffnung berichtete Q:WIR-Geschäftsführung Luca Flunger, die Organisation habe von September 2023 bis März 2024 mit der Zielgruppe an der Umsetzung gearbeitet. Künftige Besucherinnen und Besucher sollten den Raum aktiv mitgestalten und nicht bloß ein fertiges Angebot erhalten. Laut Stadt waren die Umbauarbeiten vor der Eröffnung abgeschlossen. Für die Aussage über Beteiligung ist diese Reihenfolge relevant: Die beschriebene Mitwirkung fand während der Entwicklung statt. Sie belegt nicht, dass junge Menschen sämtliche späteren Betriebsentscheidungen getroffen haben. [1]

Was der Betreiber heute beschreibt

Die Website beschreibt Q:WIR als Safer Space für LGBTIQA*-Personen von 12 bis 27 Jahren und ihre Freundinnen und Freunde. Zum Angebot gehören Begegnungen, gemeinsames Zeitverbringen und Kochen; manche Termine sind nach Altersgruppen gegliedert. Die Räume werden als barrierearm zugänglich bezeichnet, nicht als vollständig barrierefrei. Diese Angaben unterscheiden das Angebot offener Jugendarbeit von einer klinischen oder spezialisierten Behandlungseinrichtung. Das veröffentlichte Programm beschreibt Leistungen der Organisation und ist keine unabhängige Untersuchung ihrer Wirkung.

Zugehörigkeit und öffentliche Verantwortung

Die Gemeinderatsdebatte im April 2023 verband das geplante Zentrum mit Schutz, Sichtbarkeit und Begegnungsmöglichkeiten für Jugendliche. Die Selbstdarstellung von Q:WIR setzt diesen Schwerpunkt auf das alltägliche soziale Leben fort. Beteiligung hat bei einer solchen öffentlichen Initiative zwei Seiten: Junge Menschen können das Angebot mitgestalten und es nach seiner Einrichtung tatsächlich nutzen. Die dokumentierte Eröffnung erweitert die Wiener Jugendarbeit um eine konkrete Einrichtung. Ob sich einzelne Besucherinnen und Besucher einbezogen fühlen oder auf Barrieren treffen, lässt sich nur unter Einbeziehung ihrer Erfahrungen klären. Die Eröffnungsmeldung allein beantwortet das nicht. [2][1]